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04. Dezember 2020

Klimawandel und Klimaneutralität – Was jeder von uns tun kann, damit wir das 1.5°C-Ziel erreichen

Klimawandel und Klimaneutralität –  Was jeder von uns tun kann, damit wir das 1.5°C-Ziel erreichen

Die gute Nachricht zuerst: Viele Menschen nehmen den Klimawandel mittlerweile nicht nur ernst, sondern werden auch schon aktiv, um etwas gegen die globale Erderwärmung zu tun (z.B. durch ein geändertes Konsumverhalten oder die Kompensation von Flügen).

Die nicht ganz so gute Nachricht: Die Maßnahmen reichen insgesamt noch nicht aus. Damit der Klimawandel nicht völlig außer Kontrolle gerät, ist es wichtig, dass sogenannte „Kipp-Momente“ – wie beispielsweise das Auftauen der Permafrostböden - nicht eintreten. Um dies zu verhindern, empfehlen die weltweit führenden Klimaforscher des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) eine Begrenzung der globalen Erderwärmung auf 1.5°C.

Diese Zahl ist schon mal sehr wichtig. Doch viele Menschen stellen sich die Frage, was sie tun können, um ihren Beitrag zur Erreichung des 1.5°C-Ziels zu leisten. Mit diesem Blogartikel wollen wir etwas Licht ins Dunkel bringen und euch das Konzept der persönlichen Klimaneutralität vorstellen.

Die aktuellen Maßnahmen führen zu einer geschätzten Erderwärmung von 2.8-3.2°C bis 2100, im Vergleich zum vorindustriellen Niveau (1850-1900)

Was ist notwendig, um das 1.5°C-Ziel zu erreichen?

Die Zeit ist knapp - wir sind die letzte Generation, die den Klimawandel stoppen kann. Doch entscheidend für die globale Erderwärmung ist nicht nur die Zeit, sondern vor allem die Menge an Treibhausgasen (gemessen in CO₂-Äquivalenten oder CO₂ₑ*) in der Atmosphäre. Jede Tonne zählt! Denn: Der Weltklimarat (IPCC) geht davon aus, dass die Menschheit insgesamt „nur“ noch ca. 770 Gt CO₂ emittieren darf, um die Erderwärmung auf 1.5°C zu begrenzen (zum Vergleich: im Jahr 2019 wurden global ca. 50 Gt CO₂ ausgestoßen). Das heißt, dass uns auf dem aktuellen Emissionsniveau noch knappe 20 Jahre bleiben und wir danach überhaupt keine Treibhausgase mehr in die Atmosphäre emittieren dürften, um das verbleibende CO₂-Budget nicht zu überschreiten.

So viel zur Theorie - aber ist das realistisch? Ehrlich gesagt: Nein. Kein seriöser Wissenschaftler geht aktuell davon aus, dass die Menschheit es zeitnah schaffen wird, komplett ohne CO₂-Emissionen auszukommen. Damit wir das 1.5°C-Ziel aber dennoch erreichen, hat das IPCC  einen Alternativplan entwickelt – und der heißt: Klimaneutralität bis 2050.

Was ist Klimaneutralität?

Aha – die Lösung ist also Klimaneutralität. Aber was steht eigentlich hinter diesem großen Buzzword? Als Klima- oder Treibhausgasneutralität wird ein Zustand bezeichnet, indem genauso viele CO₂-Emissionen in die Atmosphäre emittiert werden, wie gleichzeitig aus dieser abgebaut werden.** Die Klimabilanz ist also ausgeglichen, oder „netto-null“ (engl: net zero). Das CO₂-Budget wird dann nicht weiter belastet und die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre bleibt konstant.

Damit dieser Zustand im Jahr 2050 dann auch wirklich erreicht wird, sieht der Plan des IPCC zwei wesentliche Maßnahmen vor:

(1)   Der Ausstoß von Treibhausgasen muss signifikant reduziert werden (von ca. 50 Gt/Jahr 2019 auf ca. 9Gt CO₂ im Jahr 2050)

(2)   Alle Treibhausgase, die jährlich emittiert werden, müssen durch sogenannte „negative emission technologies“ (NETs) aus der Atmosphäre entfernt werden

Um besser zu verstehen, warum beide „Säulen“ (Reduktion und Ausgleich) zwingend notwendig sind, sollten wir uns folgendes bewusst machen:

(1)   Trotz größter Anstrengungen werden wir es mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht schaffen, CO₂-Emissionen in allen Lebens- und Wirtschaftsbereichen komplett zu vermeiden. Das heißt, dass auch in der Zukunft jedes Jahr ein Bodensatz an sog. „unvermeidbaren Emissionen“ in die Atmosphäre gelangen wird (z.B. durch Flüge oder die Landwirtschaft)

(2)   Die Menge an CO₂, die wir mit Hilfe von entsprechenden Technologien (NETs) gezielt aus der Atmosphäre entfernen können, ist limitiert. Das Potential für Aufforstung – die momentan effektivste „NET“ - ist beispielsweise durch die auf der Erde vorhandene Fläche begrenzt.

Um die Erderwärmung auf 1.5°C (im Vergleich zu 1850-1900) zu begrenzen, muss der globale Ausstoß von CO2₂e von 2020 bis 2050 um 80+% reduziert und der globale Ausgleich von CO₂e um 1.000.000+% erhöht werden

Wie kann ich dabei helfen, das 1.5°C-Ziel zu erreichen?

Indem du genau das tust, was die gesamte Weltbevölkerung bis 2050 tun soll: Werde klimaneutral. Denn: Wenn jeder von uns klimaneutral leben würde, hätten wir das 1.5°C-Ziel schon erreicht.**

Aber keine Panik, wir lassen dich mit diesem Vorhaben nicht alleine! Die folgenden drei Steps sollen dich auf deinem Weg zur persönlichen Klimaneutralität unterstützen:

1.    Schritt – Berechne deinen CO₂-Fußabdruck

Der erste Schritt zur Klimaneutralität ist es, den eigenen Fußabdruck zu berechnen. Denn: „You can`t manage what you don`t measure“ ( hier geht`s zum Rechner 🖥 ).

2.    Schritt - Finde heraus, wie du deinen  CO₂-Fußabdruck reduzieren kannst

Nachdem du dir einen Überblick über die CO₂-Quellen in deinem Alltag verschafft hast, kannst du deinen Fußabdruck durch die Umstellung auf klimafreundlichere Produkte und Dienstleistungen bewusst reduzieren. Tipp: Unser Reduktionsplaner hilft dir dabei ( hier geht`s zum Rechner 🖥 )!

3.    Schritt – Gleiche deinen CO₂-Fußabdruck aus

Deinen CO₂-Fußabdruck kannst du ausgleichen, indem du international zertifizierte Klimaschutzprojekte unterstützt, die die entsprechende Menge an CO₂ für dich einsparen (z.B. durch Aufforstung).

Pro-Kopf Emissionen ausgewählter Industrie- und Entwicklungsländer im Vergleich zum globalen Durchschnitt

Warum soll gerade ich mit gutem Beispiel voran gehen?

Wenn du dich fragst, warum gerade du mit gutem Beispiel voran gehen und klimaneutral leben solltest, haben wir hier ein paar gute Argumente für dich:

o  Argument #1  - Das Reduktionspotential: Der durchschnittliche Fußabdruck einer/s Deutschen beträgt ca. 11t, während der durchschnittliche Fußabdruck eines Menschen in Nigeria ca. 0,7t beträgt. Auf unserem Wohlstands- (und CO₂-)Niveau haben wir rein rechnerisch ein viel größeres Potential, CO₂-Emissionen einzusparen und außerdem die entsprechende Kaufkraft, die Entwicklung klimafreundlicher Alternativen durch unsere Kaufentscheidungen zu forcieren.

o  Argument #2 - Die finanziellen Mittel: Die durchschnittlichen Kosten, um den eigenen CO₂-Fußabdruck auszugleichen, liegen in Deutschland bei ca. €15/Monat. Für viele von uns ist es möglich, diesen Beitrag zu leisten, um die Menge CO₂ in der Atmosphäre effektiv zu reduzieren und gleichzeitig die Entwicklung von NETs zu fördern.

Ich lebe bereits klimaneutral – was kann ich noch tun?

Du bist bereits Klima-Pionier und möchtest noch mehr tun? Dann haben wir hier zwei Vorschläge für dich:

(1)   Inspiriere andere: Mit jeder Freundin und jedem Freund, die/den du begeisterst, auch klimaneutral zu leben, verdoppelst du deine persönliche Wirkung. Ziemlich cool, oder?

(2)   Hilf dabei systemische Veränderungen herbeizuführen: Um das 1.5°C-Ziel zu erreichen, muss die Politik stärker umlenken (z.B. in der Verkehrspolitik). Wie und wo du dich am besten engagieren kannst, um diese Veränderungen herbeizuführen, erfährst du in einem unserer nächsten Artikel (Spoiler alert 😉)


Disclaimer: Dieser Artikel spiegelt unsere aktuelle Position wieder, die sich durch geänderte wissenschaftliche Erkenntnisse oder eine Neubewertung in der Zukunft ändern kann.

*In diesem Artikel verwenden wir CO₂ synonym für CO₂ₑ

**Der Begriff Klimaneutralität wird auch verwendet, wenn verursachte Treibhausgase durch Kompensation ausgeglichen werden. Die Auswirkung des Vorgangs auf das CO₂-Budget hängt in diesem Fall von dem hinter der Kompensation stehenden Projekt ab. Ein Blogartikel zu diesem Thema folgt 😉

Jetzt CO2-Emissionen berechnen, reduzieren und ausgleichen